"Stoffgetier" hat Pia Drechsler ihre kleinen Monster genannt. BILDER: KISD

Wir wollen Spaß

Neu in der Stadt: Design-Studenten eröffnen Laden für Unikatprodukte
VON MICHAELA KRÜGER

"Guck mal, ist fast ein bisschen wie in Berlin . . . " (Fröhliches Lächeln.) Haben Sie diesen Satz in letzter Zeit auch öfter gehört? Ja? Prima. Köln hat es geschafft. Der Trend zur Individualität ist sichtbar geworden. Im Belgischen Viertel, in den Seitenstraßen von Nippes, Ehrenfeld, der Süd- und Innenstadt haben sie sich eingenistet, und sie laufen nicht schlecht, die kleineren, ausgefallenen Läden, gerne angemietet in Altbauten, das Interieur hübsch ausgeleuchtet, niemals voll gepropft, auf dass die Sehnsucht nach Unikaten wie von selbst in einem wächst.

Das ist Schaukelpferd "Yeehaa", kreativ auf die Welt gebracht von Max Volk und Annika Müller.

 

 

 

Darauf lässt sich bauen, haben die Studierenden der "Kölner International School of Design" (KISD) gedacht - und eröffnen jetzt, unweit der wiedererstarkenden Szenemeile Ehrenstraße, einen eigenen Laden. Es ist der erste dieser Art, auch wenn man sich fragen mag, warum Designstudenten nicht vorher auf die Idee gekommen sind, einen Designladen mit Designprodukten zu betreiben. Um darin Produkte zwischen 5 und 1000 Euro zu verkaufen.
Nun: "Das Fahrrad hätte man auch früher erfinden können", meint Michael Erlhoff, Professor der KISD und Initiator des Projekts. "Jetzt sind es eben wir. Wir zählen als einzige deutsche Designhochschule in Europa zu den Top 15, weltweit zu den Top 50, warum sollen wir das nicht auch zeigen?" Kooperationen mit internationalen Universitäten laufen bereits, mittelfristig denkt man richtig groß, will heißen an Shops in den Boomtowns von China und Taiwan, an Paris und New York.
Aber bleiben wir erst einmal hier. Auf 80 Quadratmetern verkaufen die Studierenden Möbel wie das Schaukelpferd "Yeehaa", Mode, Schmuck, kleine Accessoires, Spiele (hübsche Idee: das "Geräuschememory") Postkarten, Büroutensilien, Gimmicks - und Dienstleistungen. Das Einrichten von Websites zählt ebenso dazu wie das Einrichten von Arztpraxen. Design trifft Jobbörse: Eine Datenbank soll die Aufträge abgleichen und Stellen vermitteln.
Es ist die vielbeschworene Verzahnung von Theorie und Praxis, die ein lebendiges Gesicht bekommt. Mit Können gegen die Krise. Stillstand ist unerwünscht und Bewegung im Design selbstverständlich. Deshalb werden Teile des Interieurs beständig ab- und umgewandelt. Natürlich im Sehnsuchtsflair.

Die Collection "Broken Bottle" von Erika
Hegenberger

 

 

 

DAS ANGEBOT
Der KISDshop eröffnet am 18. 9. in Köln, Benesisstraße 49, montags bis samstags 11-20 Uhr. Möbel, Accessoires und Mode werden an der hiesigen Designhochschule produziert. Es gibt auch Produkte der Partnerhochschulen, etwa aus China, USA, Brasilien oder Japan.